Schliefer Fasnatzunft   Schwarz ach

Schliefer  Schliefer - Pfeller Pfiefer

 

 Der Pfellerpfifer

I.

Zwischen Haselstauden und Schwarzach ist der Pfeller, zu dem auch der Pfellerwald gehört. Die Straße durch den Pfeller ist alt; schon 1523 wird von ihrer Erhaltung berichtet. Auf dieser Straße spukte der Pfellerpfifer, der ein grelles, schrilles Pfeifen hören ließ, wie es kein Mensch und kein Tier zustande bringen. Manchmal wurde der Geist auch sichtbar als Mensch ohne Kopf oder als Vogel, wie andere meinen. Den Mann ohne Kopf sah man öfter, wo das Gestein vom Pfellerwald herunterkommt.

 

Einmal fuhr nachts ein Wagen von Schwarzach herauf, auf dem drei Männer saßen. Plötzlich — dort bei dem Gestein — saß noch ein vierter auf dem Wagen, der Mann ohne Kopf. Nun machte der Fuhrmann mit der Geißel den „Kreuzpfiff", da rasten die Pferde davon.

Wenn jemand über den Pfellerpfifer spottete und etwa gar ihn suchen ging, so mußte er es bitter büßen. Ein Maler, der dies tat, ward vom Mann ohne Kopf bis zu seiner Haustüre in der Haselstauden verfolgt. Er hatte noch die Kühnheit, zum Fenster hinaus ihm nachzuschauen. Der Pfifer strich ihm über das Haar und noch in derselben Nacht verlor der Mann alle Haare.

Mit großem Schrecken, aber doch noch glimpflich, kam ein reicher Mann davon, der mehrmals in der Woche nach Schwarzach fuhr, weil er dort einen „Schatz" hatte. Er kehrte gewöhnlich erst nachts heim. Wenn er etwas Unheimliches über den Pfeller hörte, so spottete er und sagte, er möchte den Pfifer auch einmal hören oder noch lieber sehen. Einmal, da hat er ihn zu hören und zu sehen bekommen. Als er Schwarzach verlassen hatte und über das Scheidbächle gefahren war, meldete sich der Pfifer rings um ihn; bald hörte er die gräßlichsten Pfiffe über seinem Kopfe, bald hinter dem Rücken, bald gellten sie ihm ins rechte, bald ins linke Ohr. So kam er vom Wege ab. Als frühmorgens ein Schwarzacher Dornbirn zu ging, sah er ob der Straße ein Licht weit im Ried. Den Mann wunderte es, was das Licht dort sollte. Zu seinem Staunen kam es von dem Wagen des ihm wohlbekannten Dornbirners. Pferd und Wagen waren halb versunken und der Schwarzacher mußte Leute holen, um das Gespann aus dem Sumpfe zu holen. Der Dornbirner erzählte dann, ein Mann ohne Kopf habe ihn dort hingeführt. Dies war eben der Pfellerpfifer, der sich nicht verspotten ließ. Der Dornbirner erklärte dann freilich, den Weg niemals wieder nächtlicher Weile zu machen.

Auf die Frage, was denn der Pfellerpfifer verbrochen habe, daß er so lange und so schrecklich bestraft werde, wußte der Erzähler dieser Sagen keine bestimmte Antwort zu geben. Es seien, sagte er, Räuber im Pfellerwald gewesen; vielleicht war er ein solcher, möglicherweise ein Raubritter, denn über dem Wald sei ehemals auf dem Dornbirnerberg ein Sch loß gestanden, aus dem ein unterirdischer Gang zum Pfeller und zum Grafenhaus in Haselstauden geführt habe. Wahrscheinlich aber sei es, daß der Pfifer Marksteine verrückt und deshalb eine „ewige Schuld" auf sich geladen habe. Auf solchen Verbrechen sei nämlich in alter Zeit eine sehr hohe Geldstrafe gestanden, von der sie alle Jahre ein Gewisses abzahlen mußten. Starben sie nun, ehe die Summe voll bezahlt war, was bei deren Höhe wohl immer der Fall war, so hatten sie den Rest der Strafe mitzunehmen, das heißt in der Ewigkeit abzubüßen.

II.

Andere erzählen, am Pfeller unterhalb der Achbrücke habe in früherer Zeit freches Raubgesindel gehaust. Noch vor sechzig Jahren war jene Gegend unsicher genug. Am berüchtigsten unter diesen Gesellen war der „Pfifar". Heimtückisch bat er die Fuhrleute ums Aufsitzen und pfiff dann am verabredeten Rank seinen im Gebüsch versteckten Gesellen. Dann ging es ans Ausplündern und Morden, und es gab keine Barmherzigkeit. Um die Reisenden zu täuschen, verkleidete er sich oft als Frau und band sich ein Tuch um den Kopf. So fragte er einstmals einen Emser Kaufmann ums Mitfahren, der zu spät merkte, daß das vermeintliche alte Weib einen Bart hatte. Aber der Emser war klug. Unvermerkt stieß er mit dem Ellbogen einen Pack vom Wagen herab und bat die Frau, daß sie ihn heraufhole. Sobald sie abgestiegen war, hieb er auf die Pferde ein, daß sie davonrasten. So entkam er glücklich.

Zur Strafe für sein entsetzliches Mordleben muß der Pfellerpfifer geistern.      Auf dem ganzen Weg von der Achbrücke aufwärts sieht man ihn, bis wo die Haselstaude angeht. Besonders sitzt er den Fuhrleuten vom Pfeller bis Schwarzach auf die Wägen. Er pfeift durchdringend und lastet so schwer, daß die Rosse nicht mehr vorwärts zu bringen sind; nur Frachter, die den Kreuzpfiff können, kommen wieder los.

Wenn der Mesner in der Haselstauden frühmorgens betläuten ging, flog vom Pfellerhäusle her mehr als einmal ein großer schwarzer Vogel auf ihn zu und stieß ihn an den Kopf mit grauenhaftem Geflatter. Nach dem Betläuten aber kam er nie mehr. Das war der Geist des Pfellerpfifers, den erst der Glockenklang wieder ins Grab bannt.

 Drei Männer spotteten spät nachts im Gasthaus über den Pfellerpfifer. Nachts aber durch den Pfellerwald nach Heilgereuthe lief am Wege vor ihnen hin eine feurige Schlange fast bis nach Haus. Einem der drei, der nicht so arg gespottet, fiel ein, daß er einen geweihten Rosenkranz bei sich habe. Er griff in seine Tasche, warf den Rosenkranz aus und die feurige Schlange war nicht mehr.

I V.

 Noch etwas vom Pfellerpfifer. Von dem weiß ein jedes in Dornbirn. Der alte Fabrikbesitzer Salzmann habe sich wegen des Pfellerpfifers nicht mehr getraut, von Schwarzach nach Dornbirn zu fahren. Der Knecht habe ihn holen müssen. Einmal sei das Fuhrwerk so schwer geworden, das Pferd habe geschwitzt vor Ziehen, und hinter seinen Ohren habe es gepfiffen und vor ihm hin habe er immer einen Mann gesehen, den er samt dem Pferd nicht einholen konnte und beim Pfeller sei alles gewesen wie fortgeflogen.

V. 

 Daß es im Pfellerwalde nicht geheuer ist, weiß jedes Kind, besonders beim Bildstöckle, wo die Grenze zwischen den Gemeinden Schwarzach und Haselstauden ist. Hier wollen oft die Pferde durchaus nicht vorbei, ja, oftmals müssen sie ausgespannt werden. So geschah es einem Wolfurter Ehepaar, das im Schellenschlitten nach Dornbirn fuhr. Beim Bildstöckle im Pfellerwalde war das Roß nicht mehr weiter zu bringen. Der Mann mußte das Roß beim Bildstöckle vorbeiführen, während das Weib den Schlitten nachzog. Dann erst spannte der Mann das Pferd wieder ein.


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